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Design Sprint

Ein Design Sprint beschreibt einen fünftägigen Workshop, in dem Probleme identifiziert, Lösungen erarbeitet und Ideen mit Nutzer*innen getestet werden. Das generelle Vorgehen eines Design Sprint orientiert sich im Wesentlichen am Design Thinking Prozess.

Design Sprint - Arbeit mit Skizzen und Postits

Ursprung des Design Sprint

Der Design Sprint ist ein von Google Ventures entwickelter Prozess. Bevor dieser im Buch „Sprint“ festgehalten wurde, hat Google Ventures Design Sprints mit über 100 Start-ups und eigenen Beteiligungen durchgeführt.

Das Vorgehen im Design Sprint orientiert sich am Design Thinking Prozess. Zusätzlich lässt man Bestandteile des Customer Journey Mapping einfließen.

Das Ziel eines Design Sprint ist es, wichtige sowie strategische Fragestellungen für eine Produktentwicklung zu testen. Dabei haben die Antworten auf kritische Fragen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung eines Produkts. Design Sprints eignen sich für die Entwicklung von Produkten, Services oder ganzen Geschäftsmodellen.

Design Sprint Rahmenbedingungen

  • Dauer: Fünf Tage (ganztägig von Montag bis Freitag).

  • Team-Konstellation: Fünf bis sieben Leute. Essenzieller Bestandteil des Teams ist ein Product Owner.

  • Moderator: Ein Sprint Facilitator moderiert / organisiert das Sprint-Team, achtet auf Einhaltung des Prozesses und fordert Entscheidungen ein.

  • Nutzern: Nach Abschluss eines Design Sprint werden fünf Nutzer*innen ausführlich interviewt und mit einem im Sprint entwickelten Prototypen konfrontiert.

  • Raum / Material: Ein Raum (auch virtuell) der sich zur Team-Arbeit eignet. Whiteboards, Stifte, Flipcharts und Post-its. Darüber hinaus Materialien, die für den Bau eines Prototypen notwendig sind.

Durchführung eines Design Sprint

Design Sprints sollen dabei helfen existierende Probleme zu lösen oder neue Ideen auszuprobieren. Daher definiert man vor der Durchführung des Design Sprint eine „Challenge“. Diese Aufgabe soll vom Team im Laufe der Woche gelöst werden.

Eine „Challenge“ beschäftigt sich mit den Fragestellungen:

  • Was ist die Ausgangssituation und was ist das Problem?

  • Welche Ziele werden mit der Lösung des Problems verfolgt?

  • Wer sind die potenziellen Nutzer*innen?

1. Tag: Verstehen des Problems

Der erste Tag eines Design Sprint soll genutzt werden um mit dem Team ein gemeinsames Verständnis des zu lösenden Problems zu erhalten. Außerdem wird ein Sprint Ziel definiert. Der Design Sprint beschäftigt sich mit folgenden Fragen:

  • „Start at the end“ – Wie wird sich das Projekt / Produkt in den nächsten 6-12 Monaten entwickeln, wenn alles positiv verläuft?

  • Risiken und Fragen – Welche Annahmen und Risiken gefährden oder beeinflussen den Erfolg des Vorhabens?

  • „Map“ – Wie sieht die Customer Journey der Nutzer*innen aus? Welche Personen sind involviert und wie gestalten sich die damit verbundenen Prozesse?

Der erste Abschnitt des Tages schließt mit einer Karte ab, in der die kritischen Pfade der Customer Journey dokumentiert und visualisiert sind. Das Team sollte nun ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe und der Vision haben.

Im zweiten Tagesabschnitt sind Kollegen, Expert innen sammelt man „how might we“ Fragen. Diese werden im weiteren Verlauf durch das Team geordnet und kategorisiert. Durch die Formulierung als „how might we“ Frage und eine gute Ordnung, gewinnt das Team wichtige Grundlagen für die Entwicklung einer Lösung.

Zum Abschluss des ersten Tages wird vom Product Owner auf Basis der erarbeiteten Customer Journey, den „how might we“ Fragen und dem Feedback der Stakeholder ein Sprint-Ziel definiert. Dieses Ziel gilt es im Fokus zu behalten und die weiteren Aktivitäten des Teams im Verlauf des Design Sprint daran auszurichten.

2. Tag: Lösungen

Beim zweiten Tag des Design Sprint steht das Skizzieren von Lösungen für das Team an. Hierfür werden vom Team im ersten Schritt Lösungsansätze von Mitbewerbern, aus verschiedenen Kontexten, Industrien und Problemdomänen gesammelt. Abgucken ist ausdrücklich erwünscht. Ideen werden konsolidiert und im Team vorgestellt. So haben alle Beteiligten in kurzer Zeit mehrere potenzielle Lösungsansätze kennengelernt.

Im zweiten Abschnitt des zweiten Tages erarbeitet jede*r Einzelne seine bevorzugte Lösungsidee mit Stift und Papier. Im Design Sprint heißt es, dass in dieser Phase „stille Arbeit“ zu besseren Ergebnissen führt als Gruppenarbeit. Mit der Ausarbeitung der Ideenskizzen endet der zweite Design Sprint Tag. Alle Ansätze werden am Ende des Tages eingesammelt, aber noch nicht weiter besprochen.

3. Tag: Entscheidungen

Tag drei eines Design Sprint beginnt mit der Bewertung der am Vortag erarbeiteten Lösungsansätze. Dafür werden die Skizzen der einzelnen Teammitglieder für alle zugänglich und einsehbar aufgehängt. Das Team bekommt Gelegenheit die Skizzen in Ruhe zu begutachten, zu kommentieren und schließlich zu bewerten. Im Anschluss daran trifft der Product Owner auf Basis der gesammelten Bewertungen eine Entscheidung, welche der erarbeiteten Ideen am Folgetag als Prototyp umgesetzt werden. Die Wahl kann auf eine einzelne Idee fallen oder der Product Owner entscheidet sich mehrere Ideen in die Umsetzung zu bringen.

Der zweite Tagesabschnitt wird genutzt, um die Ideen zu einem einheitlichen Storyboard zusammenzusetzen. Das Storyboard soll die Prozesse und die Customer Journey der Nutzer*innen widerspiegeln. Somit wird das Storyboard die Basis, auf derer der am kommenden Tag zu entwickelnde Prototyp realisiert wird.

4. Tag: Prototyping

Am vierten Tag eines Design Sprint ist handwerkliches Geschick gefragt. Gemäß Storyboard (des Vortages) wird vom Team der Prototyp gebaut. Als Prototyp eignet sich jegliche Form, die den Nutzer*innen eine Chance gibt sich konkret in die Situation zu versetzen. Nur so kann von der Nutzerschaft echtes Feedback gegeben werden und der Prototyp erfüllt seinen Zweck.

Zur Erstellung des Prototypen werden im Design Sprint verschiedene Rollen verteilt. Während sich ein Teil des Teams um Materialien kümmert, erarbeiten manche nur einzelne Aspekte des Prototypen, während eine Person die einzelnen Aspekte zusammenführt. Am Ende des Tages sollte einer oder mehrere Prototypen entstanden sein.

5. Tag: Testing

Am letzten Design Sprint Tag wird den Nutzern der Prototyp vorgestellt und sie werden zu diesem befragt. Im Design Sprint reichen fünf Nutzer*innen für eine erste Validierung aus.

Während die Nutzerschaft interviewt wird, fungiert der Rest des Teams als achtsamer Zuhörer und Beobachter. Fragen und Beobachtungen aus der Interaktion mit der Nutzerschaft werden notiert. Aus diesem Schritt kristallisiert sich heraus, welche Annahmen nicht aufrechterhalten werden und welche Erkenntnisse für die weitere Entwicklung genutzt werden können.

Design Sprint abschließen

Für den Abschluss des Design Sprint müssen die dokumentierten Fragen und Notizen der Beobachter geordnet und kategorisiert werden. Für das Team sollte sich nun ein klares Bild ergeben und Feedback, welche Hypothesen und kritische Fragestellungen sich bewahrheiten, aber auch welche verworfen werden müssen und welche neuen Erkenntnisse gewonnen wurden.

Potenziell sind die gewonnenen Erkenntnisse lediglich die Basis für folgende Design Sprints. Daran sich anschließende Design Sprints müssen jedoch nicht unbedingt über die volle Distanz gehen. Die existierende Team-Konstellation kann auf viele Ergebnisse des vorherigen Design Sprint, wie das Zielbild oder die bereits erarbeiteten Lösungsideen zurückgreifen. Auch Teile des Prototypen können sich für einen weiteren Sprint wieder verwenden lassen.

Fazit

Design Sprints sind eine sehr erfrischende und in der Praxis erprobte Adaption des Design Thinking Prozesses in einem strukturierten Format, bei dem die Nutzerschaft, seine Customer Journey und das zu lösende Problem im Vordergrund stehen.

Jedoch ist ein Design Sprint ein vergleichsweise aufwändiges Format und frisst eine Menge Ressourcen. Deshalb basiert unser Vorgehen lediglich auf den Grundsätzen des Design Sprint und Design Thinking. Bilden die aus dem Prozess resultierenden Erkenntnisse allerdings die strategische Basis für die Entwicklung eines Produktes für die nächsten 12-18 Monate, ist eine Woche eine sehr angemessene Investition.